Jahreslosung 2018

Gott spricht: "Ich will dem Durstigen geben, von der Quelle lebendigen Wassers umsonst"

Offenbarung 21,6

Unsere Gedanken zur Jahreslosung

Wenn man unterwegs ist – und wenn man länger unterwegs ist – dann ist es gut, wenn man was zu Trinken dabeihat – und wenn man genug zu Trinken dabeihat.
Ich hatte mal bei einer Wanderung nicht genug dabei. Da ist es irgendwann ausgegangen. Mitten am Tag war alles weg. Ich hatte total unterschätzt, wie groß mein Durst war. Und wenn‘s Wasser aus ist, dann klebt einem die Zunge am Gaumen, und man kann sich nichts Schöneres vorstellen als einen kleinen Schluck Wasser. Und ich weiß noch genau, wie wir dann endlich zu einer Alm gekommen sind mit so einem kleinen Holzbrunnen, und aus dem kam klares, frisches, kaltes Quellwasser, und ich konnte trinken und sogar die leere Flasche wieder auffüllen.

Die Jahreslosung für 2018 aus der Bibel lautet:

Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6)

Was für ein sprechendes Bild! Ein Durstiger braucht Wasser. Aber hier geht’s ja nicht nur um das Wasser, das wir trinken, und nicht nur um die Quelle auf der Alm. Hier geht’s – im übertragenen Sinn – um die Quelle unsres Lebens und ums Wasser des Lebens.
Dazu drei Gedanken:

  1. Gott gibt lebendiges Wasser
  2. Gott gibt dem Durstigen
  3. Gott gibt umsonst

1. Gott gibt lebendiges Wasser

Lebendiges Wasser ist Quellwasser oder frisches Wasser, jedenfalls keine abgestandene Brühe aus der Regentonne. Das würde ja auch reichen, oder? Wenn man so richtig Durst hat – so richtig! – dann trinkt man jedes Wasser. Dann ist man auch mit was Lahmem, Abgestandenen zufrieden. Dann muss man damit zufrieden sein, Hauptsache, es stillt ein wenig unsren Durst, unsren Lebensdurst.
Womit wollen wir den nicht alles stillen!? Mit guten Noten in der Schule. Mit einem tollen Job, der mich ausfüllt und mir was gibt. Mit einer tollen Familie wie aus dem Bilderbuch. Mit Liebe und Beziehungen. „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, hat Jürgen Marcus 1972 gesungen: „Mir ist als ob ich durch dich neu geboren wär / Heute fängt ein neues Leben an / deine Liebe die ist Schuld daran / alles ist so wunderbar dass man es kaum verstehen kann… Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“.
Heute heißt‘s „Atemlos durch die Nacht“. Großes Kino, große Gefühle, und dann ist die Nacht vorbei, und der große Überschwang, und morgens wache ich mit einem Kater auf. Und ziemlich schnell ist alles wieder beim Alten in der Liebe.
Abgestandenes Wasser.
Sabine war 24, eine junge Frau. Nach dem zweiten Weltkrieg geht sie in die USA, arbeitet als Hausmädchen. Mit Fleiß und Können bringt sie’s zur Managerin von einem Yachtclub in Miami Beach. Dort lernt sie Clifford Ball kennen, ein Multimillionär. Sie heiraten, und Sabine lebt ein Jet-Set-Leben in Miami, Istanbul, Karatschi, San Francisco, New York. Aber ihr Mann hat Alkoholprobleme. Nach 10 Jahren kommt die Scheidung. Sabine beginnt mit ihren Söhnen ein neues Leben, sucht Kontakt zu Künstlern und Intellektuellen. Dann lernt sie die Hippiebewegung kennen. Sie kauft ein Stück Land, wo sie ein Drogenhilfeprojekt startet. Trotzdem sucht sie weiter nach dem Sinn ihres Lebens. Sie geht nach Indien in ein buddhistisches Kloster zur Meditation, findet aber nicht die Sinn-Erfahrung, die sie sucht. Sie geht zurück nach Kalifornien. Dort erzählt ihr ein junger Mann von der grenzenlosen Liebe Gottes. Das berührt sie stark. Sie beginnt zu beten. Und dann öffnet sich ihr Herz wie ein „Schleusentor“ – so beschreibt sie es selber. Und endlich ist ihre Sehnsucht gestillt nach innerer Erfüllung.
Lebendiges Wasser.
Sabine Ball wird Christin. Ihr Projekt nennt sie jetzt „The Lord´s Land“ („Land des Herrn“). Es wird zu einer großen Jugendhilfeeinrichtung. 1992 spendet sie ihr restliches Vermögen. Mit 1500 Dollar in der Tasche kehrt sie nach Deutschland zurück. Damit mietet sie in Dresden einen alten Schnapsladen und gründet das Café Stoffwechsel zur Hilfe für Kinder und Jugendliche in Not. Sie möchte Gottes Liebe weitergeben, die sie selber so berührt hat.
Das ist dieses lebendige Wasser aus unsrer Jahreslosung. GOTT gibt lebendiges Wasser.
Und lebendiges Wasser übrigens, das ist in Bewegung. Das fließt aus der Quelle, und es füllt unser Herz wie einen Brunnen. Und wenn‘s voll ist, dann läuft‘s über, und das lebendige Wasser fließt weiter.

2. Gott gibt dem Durstigen

Trinken ohne Durst kann ziemlich übel sein. Es gibt ein Spiel, da ist die Aufgabe ein großes Glas Wasser leerzutrinken ohne absetzen. Da muss man sich anstrengen. Und je mehr man trinkt, desto größer ist die Gefahr, dass einem übel wird. Irgendwann ist man voll.
Trinken ohne Durst ist schwierig – auch im übertragenen Sinn.
Jesus hat sich viel und oft um die Ausgestoßenen gekümmert, um die Ausgegrenzten, um die Ausgezehrten, um die Fragenden. So viel hat er sich um die gekümmert, dass sich manche aufgeregt haben: „Mit wem gibst du dich denn da ab?“ Jesus! Und was hat Jesus zu denen gesagt, die sich so aufgeregt haben? „Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen; ich bin gekommen, um Sünder zur Umkehr zu rufen.“ Vielleicht darf man das auch auf die Durstigen anwenden und sagen: „Die Satten brauchen das lebendige Wasser vielleicht nicht, aber die Durstigen.“
Jetzt deuten das manche so umfassend, dass sie sagen: Ja, eigentlich haben doch alle Menschen diesen Lebensdurst, nur manche merken‘s halt nicht. Manche denken, sie wären satt. Aber sie sind’s gar nicht. Und dann versuchen wir in der Kirche den Leuten einzureden, wie durstig nach Leben sie wirklich sind. Aber mal ehrlich: Wenn ich Durst habe, dann muss mir das niemand sagen. Oder? Das merke ich doch. Jesus redet niemand den Lebensdurst ein. Nein, Jesus sieht, wenn jemand diesen Lebensdurst hat, und bietet sein lebendiges Wasser an.
Einmal saß Jesus an einem Brunnen, mittags, er war müde vom vielen Laufen. Und dann kommt eine Frau, die will Wasser holen. Und Jesus bitte sie und sagt: „Gib mir doch was zu trinken.“ Und die Frau wundert sich, dass Jesus sie anspricht. Und sie kommen ins Gespräch. Und im Lauf von diesem Gespräch stellt sich raus, dass diese Frau einen riesigen Lebensdurst hat und eine riesige Sehnsucht nach Liebe. Und sie erkennt, dass ihr Jesus lebendiges Wasser geben kann, dass er die Quelle des Lebens ist.
Jesus nimmt den Lebensdurst dieser Frau wahr. Er nimmt unsren Lebensdurst wahr. Er schwätzt uns nicht auf, dass wir Lebensdurst hätten. Aber er sieht, wo wir ihn haben. Und dann sagt er wie Gott in unsrer Jahreslosung: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Nur ein Kapitel später in der Offenbarung steht das gleich nochmal so ähnlich: „Wen dürstet, der komme; Wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Und in einem alten Lied heißt es: „Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden: / Komme, wen dürstet und trinke, wer will!“ Und weiter: „Hier kann das Herze sich laben und baden. / Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.“ So viel lebendiges Wasser schenkt Jesus, dass man drin baden kann! Er füllt uns nicht ab, bis wir zu viel haben und alles wieder hochkommt. Er schubst uns nicht ins Wasser, ob wir‘s wollen oder nicht. Aber er gibt Lebenswasser in einer so unendlichen Fülle, dass unser Herz drin baden kann. Ein tolles Bild!
Gott gibt dem Durstigen.

3. Gott gibt umsonst

„Geschenkweise“ steht da im griechischen Urtext wörtlich. Also: Hier geht’s um ein Geschenk. Das lebendige Wasser von Gott, das muss man nicht kaufen wie manches Heilwasser, an dem sich jemand eine goldene Nase verdienen will. Gottes lebendiges Wasser muss man sich nicht verdienen. Das kann man sich gar nicht verdienen. Man kann’s nicht kaufen. Man kann sich’s nur schenken lassen.
Damit tun wir uns oft schwer, mit dem Uns-was-schenken-lassen, oder? Wir denken dann und sagen’s manchmal auch: Das habe ich doch gar nicht verdient. Natürlich nicht. Deshalb ist es ein Geschenk! Wir denken: Das Geschenk ist aber ziemlich mickrig. Das muss doch was viel Größeres sein. Muss es nicht. Es ist ein Geschenk. Wir denken: Da werd‘ ich verpflichtet, dass ich was zurückschenke, möglichst genau auf Heller und Pfennig mit dem gleichen Wert. Natürlich nicht! Es ist doch ein Geschenk! Und über ein Geschenk darf man sich freuen, fröhlich und ausgelassen wie ein Kind an Weihnachten.
Jemand hat mal gesagt: „Alles Wesentliche in Deinem Leben kannst du nicht kaufen.“ Da ist was dran, oder? Schon das Leben selber – dass ich lebe – das ist ein Geschenk. Da habe ich nichts dazu getan, gar nichts. Gaben, die ich habe, Fähigkeiten, die sind ein Geschenk. Menschen, die ich liebe und die mich lieben – ein Geschenk. Allein schon der Nachbar, mit dem ich nicht streiten muss, ist ein Geschenk. Eine Gemeinde, in der ich gerne bin, ein Hauskreis, Menschen, mit denen ich den Glauben teilen kann, das ist ein Geschenk. Dass ich überhaupt an Jesus glauben kann, ist ein Geschenk. Dass ich Gott dienen kann, ist ein Geschenk. Dass er meinen Durst nach Leben gestillt hat und immer noch still und immer wieder stillt – das ist ein Geschenk.

Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ – geschenkweise! Diese Jahreslosung 2018 ist auch ein Geschenk. Eine Losung ist ein Motto, ein Satz, den ich nicht einmal sage oder lese der zur Kenntnis nehme, sondern der mich begleiten will. Möge uns diese Jahreslosung begleiten in 2018, dass wir uns an sie erinnern, dass sie uns ermutigt, uns stärkt, dass wir vor allen Dingen merken: Das stimmt! Wo ich durstig bin, gibt Gott mir lebendiges Wasser, mehr als genug, und umsonst, und hier und heute – und immer, in Ewigkeit. Diese Quelle lebendigen Wassers, die versiegt selbst nicht mit unsrem Tod. Die sprudelt weiter und stillt für immer unsren Durst.

Matthias Trick, 07.01.2018