Stille Zeit
PDF herunterladenEr konnte scharf formulieren. Er war der größte Religionskritiker. Er kann uns gerade damit Anstöße geben für unseren Glauben. Friedrich Nietzsche schreibt in "Zarathustra": "Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten?"
Die Journalistin Claudia Becker schrieb mal dazu: "Eigentlich wollen das viele Menschen. Frauen und Männer, die sich nach Stille sehnen, nach Orten der Ruhe, in denen sie etwas ausbrüten können: Ideen, die den langen Atmen brauchen, Gedanken, die in ihrem lauten Alltag ungehört bleiben." Manche flögen dafür nach Indien oder suchten in japanischen Klöstern Einkehr. Um Stille zu finden muss man aber gar nicht so weit reisen. Seit dem siebten Jahrhundert haben die Christen den Advent als Zeit des Gebets und der inneren Einkehr, auch des Verzichts begangen. Als eine Zeit der Stille, wo ich mich neu besinne, neu ausrichte, wo ich neu auf Gott höre.
Diese Stille ist dabei keine Totenstille. Stille ist kein leeres Schweigen. Stille ist ein Raum, in dem Neues entstehen kann – wie aus einem Ei, das nur durch Stillhalten im Nest ausgebrütet wird und neues Leben hervorbringt. Stille ist der Raum, aus dem wir Kraft schöpfen. Der Raum, wo wir Gott die Möglichkeit geben, zu wirken. In Jesaja 30,15 ruft der Prophet im Angesicht eines drohenden großen Krieges seinen König zum Stillesein auf: "Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein." Krisenzeiten waren immer wieder auch Zeiten der Besinnung und der Rückbesinnung auf Gott. Sie können das auch heute sein in der großen Politik und auch in meinem persönlichen Leben.
Wer still wird - sich Zeit nimmt zum Gebet, Zeit nimmt zum Lesen der Bibel, Zeit für den Gottesdienst, Zeit auf Jesus zu schauen - wer still wird, gibt Gott die Möglichkeit, zu wirken. Natürlich geht das nicht nur im Advent. Und doch ist besonders der Advent die Einladung, das Gackern zu unterbrechen und dem Ankommen Gottes Raum zu geben.
Eine Adventszeit, wo wir bewusst still werden, um auf Gott zu achten, und ihm zutrauen, dass er Neues in uns wachsen lässt
wünscht mit herzlichen Grüßen
Ihr Matthias Trick

